CDU Landrat kontra Kirchenasyl

Caïn (dt. Kain) von Henri Vidal im Jardin des Tuileries (Paris), 1896. Alex E. Proimos - http://www.flickr.com/photos/proimos/4199675334/ Caïn venant de tuer son frère Abel, by Henry Vidal in Tuileries Garden in Paris, France

So ein Pöstchen als Landrat kann schon anstrengend sein. Neben den ganzen Weihnachtsmarktbesuchen und Honigspenden muss der Landrat des Kreises Bergstraße ja noch die die Beschlüsse des Kreistages ausführen und die Geschäfte der laufenden Verwaltung erledigen.Da kann es schon mal passieren, dass der Landrat auch zu gesellschaftlichen Themen befragt wird und auf Grund der großen Anstrengung seiner Arbeit kurz vergisst, zu welchem politischen Lager er gehört. So ein Kirchenasyl ist aber auch eine verflixte Sache.

Si tacuisses, philosophus mansisses
 Der CDU Landrat Christian Engelhardt fiel schon mal dadurch auf, dass er minderjährige Kinder nach Afghanistan abschieben lassen wollte. So gefiel er sich als „Law and Order“ Mann, denn wer in der CDU Karriere machen will, muss „Law and Order“ vertreten, ist die Innenpolitik doch immer ein Aushängeschild gewesen:
„Wer minderjährig ohne Eltern in die Bundesrepublik eingereist ist, muss auch minderjährig in sein Heimatland abgeschoben werden können.“

Ich schrieb damals einen Leserbrief aus diese Aussage des Landrates:

Täter müssen konsequent bestraft werden. Dies gilt für alle Bereiche. Das betrifft Steuerhinterziehung, Anzünden von Flüchtlingsheimen, Raub, Singen von Wehrmachtsliedern auf öffentlichen Veranstaltungen, sexuelle Belästigungen und vieles mehr. (…)

Die angekündigte Härte wirkt zynisch, wenn der „Christ-Demokrat“ minderjährige Jugendliche nach Afghanistan abschieben will. Ein Land in dem seit Jahren Krieg herrscht, Straßen vermint sind und die Terrororganisation der Taliban über weite Landstriche herrscht.

In der besinnlichen Vorweihnachtszeit, in der die Christen doch immer etwas mit Nächstenliebe predigen, merkte der Landrat wohl, dass die Flüchtlinge schlauer sind als er! Sie benutzen Kirchenasyl! Ja Kruzifix noch amol, mag der Landrat gedacht haben, Kirchenasyl, da steckt doch das Christentum quasi mittendrin, so wie das C in der CDU, da kann doch so ein dahergelaufener Muslim das nicht ausnutzen!!!!111

Und so äußert der Landrat „Kein Verständnis für Kirchenasyl“.So wird er wieder zitiert, wie leider schon bekannt:

Ihm fehle das Verständnis für Kirchenasyl (…) Mitte Dezember waren 34 abgelehnte afghanische Asylbewerber in einer Sammelabschiebung von Deutschland in die afghanische Hauptstadt Kabul gebracht worden.

Es ist schlimm genug, dass der Landrat Engelhardt, die kommende Bundestagswahl in Sicht, mit AfD-Parolen auf Stimmenfang gehen will und Afghanistan für ein sicheres Land hält. Hätte er doch lieber schnell bei Wikipedia nachgeschaut, wie das mit dem Kirchenasyl überhaupt gehandhabt ist, im wäre vermutlich der Glühwein aus der Hand gerutscht (Hervorhebung durch mich):

Kirchenasyl bedeutet heute die vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen durch eine Pfarrei oder Kirchengemeinde zur Abwendung einer von den Gemeindemitgliedern als für die Schutzsuchenden an Leib und Leben bedrohlich angesehenen Abschiebung. Es bezweckt grundsätzlich eine Wiederaufnahme oder erneute Überprüfung des asyl- oder ausländerrechtlichen Verfahrens (…) In Deutschland hat das Kirchenasyl seit der Einführung der Härtefallkommissionen an praktischer Bedeutung verloren.

(…) Die Praxis, an sakralen Orten Zuflucht zu gewähren, reicht bis in die vorchristliche Antike zurück

Wäre es nicht so traurig, könnte man wohl lachen. Die christlichen Partei berufen sich doch immer auf die Leitkultur des Abendlandes, twittern immer Bilder ihrer Kirchenbesuche und veranstalten doch immer vor jeder Wahl Veranstaltungen mit dem prickelnden Titel „Wofür steht das C in der CDU?“.

Da kann es nur zwei mögliche Antworten geben:

a) nicht für Christlich

b) der Landrat war zu beschäftigt und hat diese Veranstaltungsreihe versäumt.

So oder so wirkt es umso zynischer, wenn der Landrat Engelhardt auf seiner Website mit dem Motto wirbt:

Modern. Menschlich. Mittendrin.

Disclosure: Ich war bis Ende 2016 Mitglied der CDU Bergstraße.

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